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Der Diät-Teufelskreis – und wie man ihm entkommt

Natürlich endet nicht jede Diät mit einer Magersucht. Aber jede Magersucht beginnt mit einer Diät.

Deswegen ist es so wichtig, dass wir die Mechanismen hinter einem restriktiven Essverhalten verstehen und erkennen, wie wir uns davon lösen können.

Um euch das Ganze etwas anschaulicher zu gestalten, habe ich mir folgenden Diät-Teufelskreis überlegt:

Credit: Pfeile von freepik, Aquarell Splash von photographeeasia

Der Hauptgedanke, der diesem Kreislauf zu Grunde liegt, ist dass eine Diät* auf dem Bedürfnis nach Kontrolle & Sicherheit beruht – ärztlich verordnete “Abnehm-Kuren” für Menschen im Übergewicht einmal ausgelassen.

Wenn ich heute auf meine Essstörung zurückblicke, steht da am Anfang ganz viel Chaos: mein bester Freund zog nach Berlin, wir lösten unsere Zweier-WG auf, ich wusste nicht ganz wohin mit mir, mein Uni-Abschluss stand vor der Tür und irgendwie fühlte sich alles total ungewiss an.

Oder kurz gesagt: All das, was mir zuvor Sicherheit gab, löste sich binnen weniger Wochen in Luft auf. Und ich konnte nichts dagegen tun.

Ich fühlte mich machtlos. Ich fühlte mich allein. Und vor allem hatte ich das Gefühl, nichts mehr unter Kontrolle zu haben.

So rutschte ich in den Diät-Teufelskreis

An dieser Stelle stieg ich völlig ungewollt in den Teufelskreis ein, der übrigens auch für Binge Eating & Bulimie gelten kann.

Wenn ich im Außen schon keinen Halt finden konnte, da gefühlt alles “wegbröckelte”, wollte ich wenigstens auf einer anderen Ebene die Kontrolle zurück und suchte mir unterbewusst das Thema Essen aus.

Tatsächlich ist es bei vielen Magersüchtigen so, dass ihr Bedürfnis nach Kontrolle eine der Ursachen ist. Kontrolle schenkt einem das Gefühl von Sicherheit. Es gibt einem auf perfide Art und Weise den Eindruck, man habe etwas im Griff.

Ciao, Diät! Ich bin raus!

Um dem Teufelskreis zu entkommen, sollte man also an dieser Stelle nach der Notbremse suchen & genau hier aussteigen. Wie, das erkläre ich jetzt!

Im ersten Schritt sollte es darum gehen, dass ihr das Gefühl von Sicherheit ganz unabhängig von einer Diät wiedergewinnt. Macht euch zum Beispiel bewusst, auf wen ihr in eurem Leben zählen könnt. Schreibt all die Namen auf, die euch einfallen: die Mama, der Papa, die Schwester, der beste Freund, die Yoga-Lehrerin, einfach alle. Sie alle bilden euer Support System – das ich hier auch schon einmal als Recovery-Tipp aufgeführt habe.

Anschließend geht ihr einen Schritt weiter und sucht das Gefühl von Sicherheit einmal bei euch. Wann & wo fühlt ihr euch am wohlsten? Bei welcher Aktivität fühlt ihr euch geborgen?

Bei mir ist es definitiv beim Yoga. Sobald ich auf meiner Matte stehe, steigt ein Gefühl von Selbstvertrauen in mir auf. Vielleicht wackle ich bei ein paar Posen hin und her, innerlich empfinde ich mich jedoch als unglaublich stark und sicher.

Vielleicht habt ihr dieses Gefühl beim Reiten oder beim Tanzen, beim Malen oder beim Töpfern. Ganz egal, wann und wie ihr es spürt. Aber macht euch genau diese Momente bewusst.

Als letztes kann ich euch noch ein paar Affirmationen ans Herz legen. Folgende sollte euch dabei helfen, Vertrauen in das Leben zu schöpfen und dem Teufelskreis zu entkommen.

“Ich fühle mich sicher & geborgen.”

“Das Leben meint es gut mit mir.”

“Ich erlaube es mir, nicht alles im Griff haben zu müssen.”

“Kontrolle bedeutet nicht, weniger zu essen.”

Auf Instagram könnt ihr gerne kommentieren, ob ihr euch in dem Diät-Teufelskreis wiedergefunden – aber auch wie ihr herausgefunden – habt. Ich bin schon ganz gespannt auf eure Kommentare.

*Ich verwende den Begriff als Synonym für ein Essverhalten, das mit Verboten, Kalorienzählen und dem Ausschließen gewisser Nahrungsgruppen einhergeht.

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