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Way to selflove: Wie ich meinen Körper lieben lernte

Wer auf Instagram nach #selflove sucht, findet über 37 Mio. Beiträge. Die digitale Welt scheint vor Selbstliebe nur so überzuquellen. Es fehlt eigentlich nur noch, dass jeder sein eigenes Foto liket, um zu zeigen: Ja, ich liebe mich wirklich! (Ich habe es übrigens ausprobiert: Es geht tatsächlich!)

Ich gehöre ebenfalls zu diesem “Selflove Club”. Aber nicht nur auf Instagram sondern auch im wahren Leben. Erst vor drei Tagen habe ich dieses Foto auf Instagram gepostet:

Der Beitrag ist ein Liebesbrief an meinen Körper, den ihr so auch in meinem Journal findet. Ich habe ihn eines Abends geschrieben, kurz bevor ich ins Bett ging.

Die Seite, auf der er steht, ist an einigen Stellen leicht wellig. Punktuell um genau zu sein. Hier landeten die Freudentränen, die mir beim Schreiben über meine Wangen kullerten, sich schließlich von meiner Haut lösten und auf das Papier tropften.

Ich war beim Schreiben einfach so gerührt von mir selbst. Nie im Leben hatte ich gedacht, dass ich meinem Körper einmal solch wundervolle Worte widmen würde. Vor allem nicht, wenn ich die Zeit vier Jahre zurückdrehte.

Februar 2016

Mein Tag beginnt – wo auch sonst – auf der Waage. “Bitte lass die Zahl kleiner sein als gestern”, geht es mir durch den Kopf. Ich blick auf die digitale Anzeige. “Geil, geschafft”, triumphiert die Stimme in mir.

Ein Blick in den Spiegel lässt sie jedoch wieder verstummen. Die Laune kippt. “Igitt, der Ring am Bauch muss aber trotzdem noch weg”, herrscht sie mich an. “Viel zu viel. An dir ist viel zu viel”, fährt sie fort.

Ich betrachte meinen Körper im Spiegel. “Sie hat ja Recht, da ist echt noch ein bisschen zu viel an mir.” Ich tippe mit dem Zeigefinger an meinen Bauch. “Der ist echt noch leicht fluffig. Ich sollte joggen gehen. Und definitiv weniger essen. Zum Beispiel den Apfel am Nachmittag – den kann ich echt noch weglassen…”

Die Gedanken, die ihr hier lest, gehörten meinem magersüchtigen Ich. Sie stammen aus einer Zeit, in der ich meinem Körper alles andere als wohlwollend gegenüberstand. In der ich ihm alles nahm. In der ich ihn ausbeutete. In der ich ihn hasste.

Heute stehe ich ohne Gang zur Waage auf. Ich habe keine Ahnung, was ich wiege. Ich mache am Morgen Yoga, frühstücke nach Lust & Laune und starte glücklich in den Tag.

Ich bin erfüllt. Ich bin frei. Und vor allem: Ich bin so unfassbar dankbar.

Dankbarkeit als Schlüssel zur Selbstliebe

Wer sich also fragt, was ist in den vergangenen Jahren nur passiert ist, dass ich so einen Sinneswandel durchgemacht habe, dem gebe ich ein Wort mit auf seinen Weg der Selbstliebe: Dankbarkeit.

Ich denke nämlich, dass Dankbarkeit der Schlüssel zur Selbstliebe ist.

Ganz besonders während der letzten zwei Wochen überkommt mich immer und immer wieder eine Woge dieses warmen Gefühls. Selbst in eher unbedeutenden, “kleinen” Momenten denke ich plötzlich: “Danke lieber Körper, dass du mich das erleben lässt.”

Mit jedem Mal, in dem mich diese Erkenntnis durchfährt, spüre ich plötzlich diese unglaubliche Nähe zu meinem Körper. Eine grenzenlose Verbundenheit. Das Gefühl der Selbstliebe.

Der Weg bis zu diesem Punkt war allerdings kein einfacher. Ich lernte nicht von heute auf morgen, mich selbst und meinen Körper zu lieben. Lange Zeit – auch nachdem ich meine Magersucht bekämpft hatte und zurück im Normalgewicht war – dachte ich: “Selbstliebe, was soll das eigentlich sein?”

Ich probierte es also mit einem Mantra & Spiegelarbeit, las mich durch Bücher & Blogs und flog schließlich nach Bali, um mein Yoga Teacher Training zu machen. Schritt für Schritt tastete ich mich an diesen großen Begriff “Selbstliebe” heran. Alles wirkte. Irgendwie. Doch selbst als ich aus Indonesien zurückkehrte, wusste ich noch immer nicht, was genau er bedeutete und wie er sich anfühlte.

Erst als ich im Dezember damit begann, jeden Abend in mein Journal zu schreiben, fügte sich alles zusammen, was ich bisher ausprobiert und gelernt hatte. Eine Übung brachte mir schließlich den Durchbruch.

Die ultimative Übung für mehr Selbstliebe

Fünf Wochen lang schrieb ich jeden Abend fünf Körperteile auf, für die ich an mir dankbar bin. Ich begann mit den offensichtlichen Dingen. “Meine Füße, weil sie mich überall hintragen”, “Meine Augen, weil ich mit ihnen sehen kann.” Und landete schließlich bei meinen Organen und sogar bei meinen Flimmerhärchen 😅

Probiert es auch einmal. Nehmt euch euer Journal (oder ein Blatt Papier), beginnt jeweils mit dem Satzanfang: “Ich bin dankbar für…” und ergänzt dahinter einen Körperteil. Vergesst anschließend nicht das Warum? zu beantworten. Also so wie ich bereits vorgemacht habe: “Ich bin dankbar für meine Augen, weil ich mit ihnen sehen kann.”

Pausiert nach jedem Satz, richtet eure Aufmerksamkeit auf die Körperstelle und bedankt euch. Danach schreibt ihr weiter. Es ist wirklich so simpel. Aber auch soooo effektiv.

Hier kommt übrigens noch ein Beispiel von mir, für was ich (jetzt ma abgesehen von meinem Körper) dankbar bin: “Jeden Einzelnen von euch, weil jeder auf seine eigene Art wertvoll ist und mich motiviert & bereichert.” DANKE!

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