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Histamin-Rückfall: Großer Schock & neue Erkenntnisse

Oh wow, was war ich erleichtert, als ich letzten September verkünden konnte, dass ich kein Problem mehr mit dem „blöden Histamin“ habe. Monatelang hatte ich nur Kartoffeln gegessen, mich nach und nach an immer mehr Lebensmittel getraut und schließlich wieder alles vertragen.

Plötzlich gab es keine Einschränkungen mehr. Ich genoss meine Guacamole. Ich aß Banana Bread. Und ich freute mich über Kakao-Smoothies. Alles ging!

Doch so plötzlich wie meine Intoleranz verschwunden war, kam sie nun auch zurück. 😥

Es war Neujahr als ich mit einem Mal wieder diese Enge im Hals spürte. Meine Kehle zog sich wieder so zu, wie sie es Anfang 2019 so gerne gemacht hatte. Ich biss morgens in mein Laugenbrötchen und zack, schon schwoll sie zu.

Erst wollte ich es nicht wahr haben. „Das bildest du dir ein“, sagte ich mir immer und immer wieder. Aber als das Gefühl auch am 2. Januar anhielt und am 3. Januar ebenfalls, musste ich mir eingestehen: Das Histamin hatte mich wieder eingeholt. Frohes Neues! 😔

Nun sind dreieinhalb Wochen vergangen und ich hatte Zeit, meinen „Rückfall“ zu analysieren. Also:

Was war passiert?

Während ich mich auf Bali (also Mitte September bis Mitte November) noch relativ gesund ernährt hatte, habe ich mich rund um Weihnachten doch von dem ein oder anderen Plätzchen verleiten lassen.

Das Fatale: Zucker geht nicht nur auf die Hüften, sondern auch auf den Darm. Die kleinen Kristalle sind nämlich die Leibspeise von den im Darm ansässigen Pilzen (wie z. B. Candida). Diese werden eigentlich von den nützlichen Darmbakterien in Schach gehalten. Füttern wir sie jedoch, nehmen sie überhand und sorgen für ein Ungleichgewicht im Darm.

Zucker zerstört die Darmflora

Die „guten“ Bakterien – wie die Lakto- und Bifidobakterien – versuchen sie dann einzufangen und verlassen dafür ihre Wachposten an der Darmwand. Es entstehen Schäden, die nach und nach dazu führen, dass das Organ „leaky“ (also durchlässig) wird. So schaffen es immer mehr unverdaute Nahrungsbestandteile und Schadstoffe direkt in unsere Blutbahn.
…und leider auch jede Menge Histamin.

Natürlich kann ich den Rückfall jetzt aber nicht nur auf die Plätzchen und den Zucker schieben. Was hatte sich im Dezember also noch verändert?

Seit etwa zwei Jahren trinke ich keinen Alkohol. Einfach, weil ich meinen Körper liebe & ihn damit nicht ver- ja wenn nicht sogar zerstören möchte. Das klingt jetzt vielleicht etwas drastisch. Aber es ist nun einmal jene Wahrheit, die in unserer Gesellschaft gerne unter den Tisch (besser noch: die Theke) gekehrt wird.

An Weihnachten und Silvester machte ich dennoch eine Ausnahme. Ich trank Sekt – und leider nicht nur ein Gläschen zum Anstoßen, sondern gleich mehrere. Denn ich muss ja zugeben: Schmecken tut er mir nach wie vor.

Wer jetzt denkt: „Häh, Rotwein ist doch die eigentliche Histamin-Bombe?!“, dem möchte ich kurz erklären, was der Sekt denn nun mit meiner Intoleranz zu tun hat. Da gibt es nämlich zwei Punkte:

Alkohol & Histamin

Denkt euch bitte einmal zurück zu meiner vorherigen Erklärung. Genau an die Stelle, wo die „guten“ Bakterien im Darm aufzuräumen versuchen und Schadstoffe in die Blutbahn gelangen.

An dieser Stelle beginnt eigentlich unsere Leber damit, die „Eindringlinge“ umzuwandeln und abzubauen. Ist sie jedoch damit beschäftigt, sich vorrangig um den Alkohol zu kümmern (und den nimmt sie sich immer als erstes vor), kommt sie einfach nicht mehr hinterher. Es kommt zum Stau, unsere Leber als auch unser Darm sind schlichtweg überfordert und stolpern immer mehr in Richtung Burn-Out. Unser Darm ist dabei der Erste, der das Handtuch schmeißt. Er geht kaputt. Und wieder entstehen Löcher in seiner Wand.

Außerdem hemmt Alkohol das Enzym DAO, das sich in unserem Dünndarm befindet und Histamin aus der Nahrung abbaut. Wenn unser DAO jedoch – ich sage mal – „betrunken“ ist, taumelt es nur so vor sich hin und checkt gar nicht, wie viel Histamin ihm da gerade in unseren Dickdarm und schließlich in die Blutbahn entwischt.

Gut, da hätten wir nun also den Zucker sowie den Alkohol im Verdacht. Wer aber könnte ein dritter oder sogar vierter Störenfried sein?

Ich erkläre eine Histaminintoleranz auch immer gerne anhand von einem Fass. Wenn unser Darm intakt ist und unsere Leber ohne Einwände funktioniert, sammelt sich darin unsere Nahrung auf dem Boden an. Hier machen sich dann unsere Bakterien über das Futter her. Sie nehmen die Nährstoffe auf, sorgen für eine harmonische Atmosphäre (aka Darmflora) und leiten all den Mist – den sie nicht mehr haben wollen – Richtung Ausgang weiter. Der Zapfhahn öffnet sich, und Tschüss! (ihr versteht schon 💩)

Doch manche Menschen – und dazu gehöre ich – haben eine suuuuuper langsame Verdauung & gehen nur selten zum Klo. (Wie oft man ungefähr soll, verrate ich hier.)

Das Fass füllt sich also, der Zapfhahn bleibt zu. Langsam beginnt darin alles zu rotten, den Bakterien stinkt‘s, die Stimmung (aka Darmflora) kippt. Eine Fäulnisflora entsteht.

In diesem Milieu wittern nun „schlechte“ Bakterien und Pilze ihre Chance. Sie breiten sich aus und produzieren giftige Gase wie Ammoniak und Methan, die langsam Löcher in die Holzwände des Fasses ätzen. Es kommt zu Entzündungen in der Darmschleimhaut und ehe wir uns versehen, wird sie wieder leaky.

Durch die Löcher wird es in unserem Darm trotzdem nicht schöner und auch nicht leerer. Schließlich schieben wir ja von oben immer wieder nach. Und wenn hier nichts raus kann, sammelt sich in unserem Fass natürlich auch das Histamin an, das wir durch unsere Nahrung aufnehmen.

Wer jetzt zusätzlich zu wahren Histamin-Bomben wie Banane, Tomate und Kakao greift, bringt das Fass schlichtweg zum Überlaufen.

Ein Fass voll Histamin

Tja, und was hatte ich wohl im Dezember besonders gern gegessen? Genau, all das, was ich eigentlich nicht vertrage. Ich habe mein „Histamin-Fass“ also Tag für Tag gefüllt, bis es schließlich explodiert ist. Und da hatte ich dann den Salat.

Bevor ich hier jedoch für Hoffnungslosigkeit & Unmut sorge, kommen wir jetzt zum Happy End! Mir geht es heute wieder viel besser, mein Symptom ist weg und ich esse wieder nach Lust und Laune (also mehr oder weniger).

Bevor ich erzähle, wie ich meinen Darm wieder in Schuss bekommen habe, möchte ich noch einmal betonen, dass Krankheiten immer auch einen großen mentalen Faktor haben, der ganz besonders bei der Heilung zum Tragen kommt.

Your mess is your message

Natürlich war ich die ersten Tage am Boden zerstört. Natürlich habe ich geweint. Ich wollte diese Misere nicht noch einmal durchmachen. Doch dann wurde mir klar, dass ich dankbar dafür sein konnte, dass mein Körper so klar mit mir spricht. Er wollte mir etwas sagen.

Also nahm ich dieses Signal an. Ich nahm die Intoleranz an. Und ich nahm die Challenge an.

In den ersten fünf Tagen machte ich ein komplettes Histamin-Reset. Ich versuchte, mein Fass komplett zu leeren. Ich begann mit einer Mono-Diät aus Kartoffeln, Zucchini und roter Paprika. Zum Frühstück gab es zur Abwechslung meinen Soja-Quark mit einem Apfel. (Achtung: Von diesen Lebensmitteln weiß ich, dass ich sie vertrage. Ein anderer Darm kann aber schon wieder ganz anders reagieren.)

Außerdem begann ich gleichzeitig damit, erneut mein Gerstengras zu nehmen. Jeden Morgen, 1-2 TL in Orangensaft. Und meine Acidophilus-Kapseln zu schlucken. Morgens & abends jeweils eine vor meiner Mahlzeit.

Der Part der mir am schwierigsten viel: Ich ließ meinem Körper viel Ruhe und ging nicht zum Sport. Stattdessen machte ich weiterhin mein super sanftes Yoga, meditierte viel und schrieb jeden Abend in mein Journal. „Ich bin geheilt“, füllte ich eine komplette Seite. Unser Hirn kann irgendwann nämlich nicht mehr zwischen Realität und Wunsch unterscheiden und regt die Heilung tatsächlich an.

Ayurveda für den Darm

Schließlich ließ ich noch mein Wissen aus meiner Ausbildung als Ayurveda-Lifestyle-Coach mit einfließen: Ich trank jeden Morgen eine Tasse heißes Wasser (denn ja, auch auf Tee kann man reagieren) und schenkte mir über den Tag verteilt immer wieder etwas nach, um mein Verdauungsfeuer – auch „Agni“ genannt – am Lodern zu behalten.

Zusätzlich nahm ich mir die Lehre der „Doshas“ (hier mehr dazu) zu Herzen und begann, mich danach zu ernähren. Das hieß – beziehungsweise heißt – für mich: viel erdendes Gemüse wie Süßkartoffel und Kürbis und so wenig Rohkost wie möglich. Das kann ich jedem – ganz unabhängig von seiner Dosha – eh ans Herz legen, wenn er Probleme mit der Verdauung hat. Wenn wir unser Essen nämlich garen, nehmen wir unserem Magen-Darm-Trakt einen Schritt ab und er kann direkt damit starten, es zu zerlegen anstatt es selber erst zu erhitzen und breiig zu „kochen“.

Meine Mono-Diät ist jetzt vielleicht zu Ende, trotzdem beherzige ich auch hier, was mein Ayurveda-Arzt mir auf Bali geraten hat: Überfordere deinen Körper nicht mit zu viel Essen & zu vielen Zutaten auf einmal. Daher wähle ich jetzt immer drei bis vier Gemüsesorten, bereite sie mir mit Kardamom, Salz und etwas Öl im Ofen zu und schaue, dass ich bis zur nächsten Mahlzeit nicht snacke und meinem Darm die Zeit gebe, die er braucht.

Bye, Histamin! Mein Fazit nach fast vier Wochen

Ich bin an meinem Histamin-Rückfall nicht verzweifelt. Ich habe ihn angenommen und daraus gelernt. Ich weiß jetzt:

  • auf Zucker & Alkohol möchte ich gerne wieder verzichten
  • Salate & Smoothies (roh & mit vielen Zutaten) genieße ich lieber in Maßen
  • ich sollte mein Histamin-Fass ab und zu leeren, indem ich tageweise eine Mono-Diät in meinen Meal-Plan einbaue
  • die Lehren des Ayurveda werden in Zukunft noch stärker meine „Food- & Lifestyle-Bibel“ sein
  • ein Rückfall ist möglich, ABER:
  • man kann schnell wieder heilen & wird durch jede Erfahrung nur klüger und stärker

Wer mir noch nicht auf Instagram folgt, kann das hier übrigens tun.

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