Home,  Soul

Auf Biegen & Brechen: Wenn man sich an den eigenen Maßstäben kaputt macht

Als ich Mitte November aus Bali zurückkam, dachte ich: „So, genug Urlaub gemacht. Jetzt haust du richtig rein.“

Mein Kopf war voller Ideen. Ich hatte super viele Visionen. In mir kochte der Tatendrang hoch.

Also meldete ich mich zu einem 300h-Ayurveda-Training an, plante meinen Insta-Adventskalender, schrieb die ersten Blogbeiträge, nötigte meinen Freund zu Shootings (danke, dass du immer alles mitmachst und hinter mir und meinen Ideen stehst ❤️), organisierte mein erstes Yoga-Event, kaufte mir unterschiedliche Bücher und schob mein nächstes großes Projekt an.

Ihr merkt vielleicht selber schon: Ich mutete mir mal wieder ganz schön viel zu. Nur ich, ich checkte es anfangs nicht.

Ohne mir darüber bewusst zu sein, war ich wieder in meinen „Höher, schneller, weiter“-Strudel geraten, aus dem ich mich vor Monaten eigentlich schon herausgezogen hatte. „Du MUSST noch mehr machen. Das ist doch gar nicht viel. Mehr, mehr, mehr!“, lief es wie eine Dauerschleife in meinem Kopf ab. Auf die liebevolle Stimme, die mich zurück ans Ufer ziehen wollte, hörte ich nicht. „Gönn dir Ruhe. Denk an deine Pausen. Setz dich nicht unter Druck“ – ihre Rettungsversuche prallten an mir und meinem Perfektionismus ab.

Erst als ich letzten Freitag einen mentalen Breakdown hatte und drei Stunden lang weinte (wie kann ein Körper eigentlich so viele Tränen produzieren?! 🙈) , wurde mir klar: Ich hatte mir meine Maßstäbe viel zu hoch gesetzt.

Vor allem aber: Ich konzentrierte mich wieder einmal nur auf die Dinge, die ich noch nicht geschafft hatte, anstatt mir jene vor Augen zu führen, die ich bereits vollbracht hatte.

Bei mir kommt Maßstab nicht von „in Maßen“

Mit meinen Maßstäben ist das nämlich so: Ich setze sie mir. Ich tue alles, um sie zu erreichen. Und wenn ich sie dann erreicht habe, setze ich sie wieder ein Stück höher, ohne mir dabei einmal auf die Schulter zu klopfen und das Stück zu betrachten, das ich bereits geschafft habe. Und leider auch ohne zu merken, wie ich langsam an ihnen zerbreche.

Ich möchte an dieser Stelle nicht dazu ermutigen, sich keine Ziele zu setzen. Aber ich möchte euch dafür sensibilisieren, dass ihr nach jeder Zielgraden auch ruhen und euch selber eine Medaille umhängen dürft. Erklimmt das Siegerpodest. Seid stolz auf euch. Macht euch bewusst, was ihr erreicht habt.

Nachdem ich Freitagnacht vor Erschöpfung und in den Armen meines Freundes eingeschlafen bin, habe ich mich Samstagmorgen direkt mit meinem Journal hingesetzt und aufgeschrieben, was ich in den vergangenen Monaten alles gemacht und erfolgreich abgeschlossen habe.

Diese Übung kann ich jedem empfehlen, der gerne einmal seine Erfolge aus den Augen verliert und der immer diesen inneren Antrieb verspürt, mehr zu machen. Mehr zu erreichen. Mehr anzupacken.

Dabei solltet ihr aber auch den kleinen Dinge eure Anerkennung schenken. Ihr habt am Tag besonders viel Liebe versprüht? Ihr habt dem schlecht gelaunten Busfahrer ein nettes Lächeln geschenkt? Ihr habt endlich einmal eure Yogapants sortiert? Ihr habt die Omi angerufen? Endlich mal Zeit für ein Buch gefunden? Schreibt es auf! Führt euch vor Augen, wieviel ihr bereits „geleistet“ habt. Und dann lehnt euch zurück und macht euch bewusst, wie toll ihr seid.

Eure Liste ist übrigens nie zu kurz. Sie ist immer lang genug. So wie ihr immer genug seid.

Neue Maßstäbe, neuer Fokus

Was ich nun für neue Erkenntnisse aus diesem tränenreichen Wochenende ziehe? Ich muss meine Maßstäbe und Vorhaben überdenken und wieder stärker darauf achten, mich nicht dauerhaft voranzutreiben. Denn so fühlte ich mich schließlich. Getrieben.

Ich muss nicht MEHR, MEHR, MEHR machen, um mich gut zu finden. Und ich muss auch nicht MEHR, MEHR, MEHR machen, damit mich andere gut finden.

Das war unter anderem ein Motor hinter meinem Insta-Adventskalender. Ich wollte euch jeden Tag tollen Content bieten. Ich dachte, dass wer viel schafft, auch viel Liebe bekäme. Und setzte mir – ohne es zu merken – wieder neue Maßstäbe.

Bevor ich daran jedoch zerbreche, ziehe ich hiermit die Reißleine. Ich möchte mir den Druck nehmen, täglich etwas veröffentlichen zu müssen. Ich möchte euch klugen, tiefgründigen Content bieten und der braucht nunmal seine Zeit. Außerdem möchte ich mich intensiver meinen anderen Projekten widmen, auf die ihr euch auch schon freuen dürft.

Das heißt natürlich nicht, dass ich im Advent nichts mehr poste oder freigebe. Ich habe noch tolle Gewinnspiele, Rezepte und Blogartikel parat. Es erwarten euch noch wundervolle Überraschungen. Aber eben nicht mehr jeden Tag.

Haltet mich für schwach. Haltet mich für inkonsequent. Aber bitte haltet mich besonders für eins: menschlich. ❤️❤️

2 Kommentare

  • Babsi

    Liebe Tabea,

    ich möchte dir einfach sagen, wie mutig und einfach echt ich es finde, dass du diese Erfahrungen mit deinen Followern teilst! Es ist so schön zu sehen, wie du dich entwickelst, du hast soo viel geschafft und bist wirklich eine taffe junge Frau 🙂
    Ich kenne das, was du beschreibst selbst recht gut. Ich bin meist auch recht streng mit mir und möchte „leisten, leisten, leisten“ und doch gibt es einen inneren Anteil in mir, der einfach nur mal SEIN möchte, ohne zu rennen, zu hetzen und sich anzustrengen. Irgendwie braucht es da eine Balance.

    Ich wünsche dir sehr, dass du deine ganz persönliche Balance findest, dich traust diese zu leben!

    Fühl´dich ganz liebevoll umarmt,

    deine
    Babsi

    • Tabea

      Liebe Babsi,

      deine Worte rühren mich gerade sehr! Vielen Dank für dein liebevolles Feedback und vielen Dank auch für deine Ehrlichkeit. Mit mir und mit dir selbst.

      Die innere Balance zu finden ist sicherlich nicht einfach. Aber allein, dass du dich auf die Suche begeben hast, zeugt von viel Stärke.

      Ich hoffe, dass du auch einfach mal SEIN kannst. Meine „Erlaubnis“ hast du in jedem Fall. Denn ich weiß, was für ein wundervoller Mensch du BIST!

      Ich drücke dich zurück!
      Allerliebst, Tabea

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.