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Bali Diaries: Ich biss in meinen Brokkoli als die Tränen kullerten

Mein erster Tag in Canggu beginnt. Ich wache nach 13 Stunden Schlaf um 12 Uhr mittags auf, bedanke mich bei meinem Jetlag und schmiede meine Pläne für die kommenden Stunden.

Bevor ich morgen mein 200h Yoga Teacher Training bei The Practice beginne, möchte ich heute schon einmal in die Schule fahren und meine Registrierung abschließen.

Deshalb mache ich mich fertig (sehr langsam) und packe die nötigen Unterlagen zusammen (noch langsamer 😄).

I go, you go, we gojek

Danach geht es in Shorts und Top raus. Ich bestelle mir – um von A nach B zu kommen – zum ersten Mal in meinem Leben ein Gojek.

Das ist ein Roller samt Fahrer, den man via App zu seinem Abholort bestellt. Dabei gibt man auch schon das Ziel an, bekommt einen Festpreis genannt und muss nichts weiter machen, als wenige Minuten zu warten. Eigentlich ist es ganz wie Uber in Amerika – nur eben auf zwei statt auf vier Rädern und etwas abenteuerlicher.

Ich schwinge mich also auf mein Gojek und wir düsen los. Die nächste Premiere wartet nicht lang: Nach nur wenigen Minuten fahren wir durch die Reisfelder. Ich lasse meinen Blick schweifen und bin sprachlos. Eine frische Brise bläst mir ins Gesicht, ich muss kurz zwinkern. Plötzlich habe ich Tränen in den Augen.

Hello, The Practice!

Es ist aber nicht der Fahrtwind, der mich fast weinen lässt. Es ist das Gefühl der Freiheit und der Gedanke, wie schön das Leben doch sein kann.

Wir halten bei The Practice. Ich bin ein zweites Mal überwältigt. Noch nie habe ich einen so magischen Ort gesehen. Er wirkt so beruhigend auf mich und strahlt extrem viel Wärme aus. Sofort fühle ich mich wohl.

Als ich mich nach meiner Registrierung in dem Holzgebäude sowie Garten umschaue, muss ich mich fast kneifen, um zu realisieren, dass dieser Moment real ist. Mich packt ein Gefühl von Dankbarkeit. Ich bin überglücklich, dass ich hier die nächsten vier Wochen lernen darf.

Vor allem aber fühle ich mich bestätigt: Ich sollte genau diesen Weg gehen. An diesem Ort bin ich absolut richtig. Meine Entscheidung, in dieser Stätte wachsen zu wollen, war genau richtig.

Mein Blick wird erneut glasig. In mir sprudelt es nur so vor Emotionen. Aber ich halte die Tränen zurück. Noch…

Shopping macht hungrig

Auch wenn ich mich stundenlang in dem Pavillon aufhalten könnte, verlasse ich ihn nach einer halben Stunde wieder und schlendere durch die Straßen. Ich laufe über einen Basar, kaufe ein Shirt mit witzigem Print, unterhalte mich mit Einheimischen über Götter und finde schließlich das Motion Café.

Auch wenn es direkt an einer lauten Straße gelegen ist, fühle ich mich darin sofort wohl und suche mir einen Tisch nahe am Fenster.

In dem kleinen Bistro ist zwar nicht alles, aber wirklich vieles vegan und klingt in der Speisekarte wirklich fantastisch.

Ich blättere sie lange durch. Eigentlich dürfte mir hier ALLES schmecken 😄 Vor allem ist es momentan so, dass sich meine Geschmacksknospen vor Freude überschlagen, wenn ich ins Restaurant gehe. Ich bin es nicht mehr gewohnt, einfach zu wählen, was mir gefällt. Schließlich musste ich die letzten sieben Monate immer strengstens auf die Zutaten achten und landete im Endeffekt meist doch „nur“ bei Pommes.

Aber seitdem die Histaminintoleranz mir nichts mehr kann, bin ich wieder völlig frei bei meiner Entscheidung. (Hallelujah! 😇)

Ich entscheide mich schließlich für den Fitness Teller mit frischen Gemüsesticks, Süßkartoffel, Hummus, Brokkoli, gedünstetem Spinat und Champignons. (Foto oben.)

Als er mir serviert wird, überzeugt er direkt. Alles sieht frisch und lecker aus und ist – ganz wie ich es liebe – ordentlich angerichtet. Ich mache schnell einen Top Shot und greife zur Gabel.

Emotional im Motion Café

Und während ich so dasitze und kaue, kullern sie mir schließlich doch noch die Wangen herunter: meine Tränen, die ich den ganzen Tag zurückgehalten habe.

Zum ersten Mal seit Jahren fühle ich mich wieder frei. Keine Krankheit hat mich mehr in ihren Fängen. Ich esse, wonach mir ist. Und nicht, was mir eine Magersucht oder eine Histaminintoleranz diktiert.

Mir wird schlagartig klar, wie schön das Leben sein kann und dass ich diese Momente und diese unglaublich schönen Plätze fast nicht mehr erlebt hätte. Vor drei Jahren noch stand es kritisch um mich. Ich dachte, ich müsse sterben. Ja, manchmal hoffte ich es sogar, weil ich keinen Ausweg aus meiner Essstörung sah.

Doch nun sitze ich hier. Lebendig. Am Essen. Und so selbstbestimmt, wie ich es in den letzten Jahren nicht war.

Das Leben ist gut. Wir können unsere Geschichte selber schreiben. Wir alle haben das Zeug dazu. Wir müssen den Stift nur in die Hand nehmen. 📃🖋

PS: In meinen Highlights auf Instagram findet ihr unter „Bali“ meinen Tag übrigens in Bildern.

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