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Anorexiegrenze: Wann ist dünn zu dünn?

Bevor ich damals in die Klinik ging und langsam merkte, dass meine Kräfte mich verließen, fragte ich mich oft: „Bin ich jetzt eigentlich magersüchtig?“

Die Antwort war eigentlich eindeutig. Natürlich war ich es! Doch leider wollte ich es mir noch nicht eingestehen. Ich war viel zu sehr eins mit der Krankheit, als dass ich mich gegen sie „auflehnen“ wollte.

Mir ging es gut. Ich trieb halt viel Sport und achtete auf eine gesunde Ernährung – zumindest redete ich mir das immer und immer wieder ein.

Das Äußere spiegelt das Innere wieder

In Wirklichkeit war ich absolut krank. Ich war besessen. Ich war dabei, mich komplett auszumergeln. Meine „gesunde Ernährung“ bestand einzig und allein aus einer fetten Lüge.

Aber ab wann konnte man denn nun eindeutig von einer Magersucht sprechen? Das ist ja sowieso die Krux. Man kann Menschen mit einer psychischen Störung nicht in den Kopf schauen und sagen, „Ah, hier liegt der Fehler“ und dann weiß man, mit welcher Krankheit man es zu tun hat und wie man sie heilt.

Doch unterschiedlich zu Depressionen, sozialen Phobien und Psychosen zeigt sich eine Magersucht ja auch äußerlich. Sie spielt sich zwar im Kopf ab, bringt aber immer einen starken Gewichtsverlust mit sich und kann daher auch von außen beobachtet werden.

Dennoch stellt sich an dieser Stelle natürlich wieder die Frage:
Ab wann ist mager süchtig?

Hier kommt die Anorexiegrenze ins Spiel.

Selbst Google kennt die Anorexiegrenze nicht

Noch nie davon gehört? Nun, ich kannte sie bis zu meinem zweiten Klinikaufenthalt auch nicht. Unter den anderen Patientinnen, den Therapeuten und den Ernährungsberatern war sie jedoch ein gängiger Begriff – auch abgekürzt als die „Anogrenze“.

Sie galt es mindestens zu erreichen, wenn man die Klinik verlassen wollte.

Da man selbst bei Google keine Suchergebnisse zu dem Thema findet, fasse ich euch einmal zusammen, was man unter der mysteriösen Anorexiegrenze versteht und weshalb sie so wichtig ist:

Ihr alle kennt sicherlich den BMI (Body Mass Index) mit dem man bestimmen kann, ob man sich im Unter-, Normal oder Übergewicht befindet. Man berechnet ihn, indem man sein Körpergewicht durch seine Größe im Quadrat teilt. (Oder ganz einfach hier.)

Im besten Fall landet man nach seinen Berechnungen bei einem Wert, der sich zwischen 18,5 und 25 bewegt. Dieser Bereich ist nämlich als Normalgewicht definiert. Darunter gilt alles als Untergewicht.

Von einem anorektischen Gewicht spricht man ab einem BMI von unter 17,5. Und hier haben wir sie dann auch: die Anorexiegrenze.

In der Klinik ist der Sprung von 17 auf 17,5 (nicht Kilo sondern der BMI!) daher der erste große Schritt in Richtung Normalgewicht und wird von allen angestrebt und nach Erreichen gefeiert.

Wow, was habe ich ihm damals entgegengefiebert! Und was habe ich für Freudensprünge gemacht, als die Waage endlich „meine“ Zahl zeigte.

Noch wichtiger als die Anorexiegrenze: das Normalgewicht

Wer die Anorexiegrenze geknackt hat, darf übrigens aus der Klinik entlassen werden. Doch lasst mich euch einen guten Tipp geben: Hört nicht bei der Anogrenze auf. Zieht durch bis zum Normalgewicht.

Ich dachte damals auch, „Super und Tschüss, ich gehe nach Hause“, als ich die Grenze erreicht hatte. Doch glücklicherweise konnte mich meine gute Freundin Christina davon überzeugen, noch ein paar Wochen in der Klinik und bis zum BMI von 18,5 zu bleiben.

Warum das so super wichtig ist? Ganz einfach: Die Kilos sind ein essentieller Puffer!

Es kann nämlich immer mal passieren, dass ihr die Klinik verlasst und – ohne dass ihr es wollt – wieder ein paar Kilos verliert. Sei es durch die plötzliche Umgewöhnung, psychischen Stress oder einen Magen-Darm-Virus. Und dann – zack, so schnell könnt ihr gar nicht gucken – seid ihr wieder im Untergewicht, euer Hirn arbeitet erneut schlechter und ihr seid zurück im Teufelskreis.

Ein Normalgewicht ist wirklich das A und O! Deshalb lege ich ja momentan auch alles daran, wieder zuzunehmen. Denn mal ehrlich: Ich habe keinen Bock auf irreversible Hirnschäden?! Mein Dachschaden ist doch schließlich schon groß genug. 😂😂

Noch ein Fact rund ums Thema Anorexie: Magersucht ist gar keine Sucht. Wusstet ihr das? Wenn nicht: Lest hier meinen Artikel darüber.

Photo Credit: Siora Photography on Unsplash

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