Home,  Soul

Ich bin wieder in Therapie

Vorletzten Montag ist etwas wirklich wundervolles passiert: Ich war seit Langem wieder bei meiner ehemaligen Psychologin, führte mit ihr ein tolles Gespräch und beschloss, mich wieder in Therapie zu begeben.

Was daran jetzt so „wundervoll“ ist?! Ganz einfach: Es gibt nur wenige Plätze, an denen ich mich so wohl fühle, wie im Sessel meiner Psychologin. Nirgends sonst habe ich die Möglichkeit, so frei von mir zu erzählen und all meinen Gefühlen so viel Raum zu geben, wie sie es oft einfach brauchen.

Klar, ich kann zu Hause auch mit meinem Freund darüber sprechen, was mich momentan bewegt und er hört mir auch immer zu. Aber zu wissen, dass ich hier wirklich ALLES sagen kann – ganz „ohne Rücksicht auf Verluste“ – ist noch einmal eine ganz andere Sache. Ich fühle mich dabei freier. Ich verbiete mir dabei keine Gedanken. Alle Emotionen sind hier erlaubt. Wenn die Tränen fließen, fließen sie. Ich stoppe sie nicht, sie dürfen sein.

Außerdem finde ich es absolut spannend, wie eine gelernte Psychologin ein Gespräch und meine Gedanken lenken kann. Ich liebe es, neue Impulse zu bekommen. Denkanstöße, die mir plötzlich einen Schub in eine ganz neue Richtung geben.

Therapie als Part von meinem „Egotrip“

Ich hatte Frau Funke* bereits seit Dezember letzten Jahres nicht gesehen. Vor Weihnachten hatten wir ein letztes Mal zusammengesessen, in Therapie war ich schon seit Februar 2018 nicht mehr.

Doch vor ein paar Wochen merkte ich, dass ich so einiges auf dem Herzen habe und mir jemanden wünschte, der mit mir all diesen Ballast ganz objektiv und wertfrei betrachten kann. Der mich minutenlang erzählen lässt. Bei dem ich allein im Mittelpunkt stehe.

Klingt egoistisch? Ist es sicherlich auch! Aber genau das braucht es manchmal eben. Mittlerweile bin ich auch dazu übergegangen, diese Form von Egoismus als Selbstfürsorge zu betrachten. Eine, die mich zu mehr Selbstliebe führen soll. Eine, die mich zu meiner Selbst bringt.

Deshalb schrieb ich Frau Funke und hatte Glück. Nur einen Tag später saß ich wieder auf ihrem Sessel. Zurück in dem Raum, in dem ich schon so manche Träne vergossen und so manchen Zweifel vergessen hatte.

Unsere erste Stunde verbrachten wir damit, über mein letztes halbes Jahr zu reden. Ein Life-Update im Schnelldurchlauf sozusagen. Ich weinte. Ich lachte. Und ich erkannte: Mit ein paar Sitzungen war die Sache hier nicht getan.

Glücklicherweise sah das Frau Funke ganz genauso. Und so beantragten wir 50 neue Stunden, die ich in den kommenden Monaten frei zur Verfügung habe. Wäre jetzt schon Weihnachten, würde ich behaupten, Santa sei dieses Jahr großzügig gewesen. Denn ehrlich: Ich kann mir kein schöneres Geschenk vorstellen.

… und ich begann auch sofort damit, auszupacken. Nicht zur zögerlich, sodass das Papier heile blieb. Sondern mit Schmackes. Ich packte aus über meine Intoleranz, über meine Pläne, über Enttäuschungen, über aktuelle Ängste.

Auch wenn ich zurück bin. Ich bin eine andere.

Es blieb kein Thema offen und kein Auge trocken. Das Schöne daran: Alle Probleme, die ich ansprach, waren neu. Nichts davon hatte ich in unserer letzten Therapiephase angesprochen. Es ging nicht ums Gewicht, es ging nicht um mein Körperbild und schon gar nicht ging es um eine Magersucht.

Das zeigte mir, dass ich mich in den letzten Jahren definitiv weiterentwickelt hatte. Ich bin längst nicht mehr an dem Punkt, an dem ich noch vor zwei/drei Jahren war.

Nur weil ich jetzt wieder in Therapie bin, heißt es nicht, dass ich „rückfällig“ geworden bin. Und wenn schon. Recoveries sind Geschichten, die jeder selber schreibt und die sich aus verschiedenen Kapiteln zusammensetzen. Und wenn dieses Kapitel einem vorherigen ähnelt oder sich gar wiederholt, ist das okay. Man darf nur nicht aufhören weiterzuschreiben und auf sein Happy End hinzuarbeiten.

Für mich fühlt sich dieser Schritt – erneut in Therapie zu gehen – jedenfalls nicht wie ein Zurück an. Ich merke, wie ich damit nur noch besser vorankomme und sehe ja auch an den Themen, dass ich mich nicht im Kreis drehe. Und sollte mir doch schwindelig werden: Der Sessel bei meiner Psychologin ist schön gepolstert. Selbst wenn ich falle, lande ich hier weich.

(Ich weiß, ich wiederhole mich. Aber auf www.therapie.de kann man sich wirklich gut auf die Suche nach einem Psychologen machen.)

Ein Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.