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Komplimente macht nur noch Cinderella

Ich saß in meiner Mittagspause heute neben einer Gruppe von Frauen, die sich lautstark darüber unterhielten, wem sie am Vorabend alles begegnet seien und in wen sie erst letztes Wochenende mal wieder gelaufen wären.

Nicht ein einziges Mal fiel dabei ein nettes Wort. 30 Minuten lang lästerten sie mehr, als es Désirée Nick in ihrem ganzen Z-Promi-Leben bisher getan hat.

Lautstarke Lästereien statt gehaltvolle Gespräche

„Schon als sie reinkam, dachte ich, wie bescheuert sie aussieht. Ihr hättet mal ihr Kleid sehen sollen“, sagte die eine in einem so abwertenden Ton, dass ich fürchtete, sie würde dabei jeden Moment zu brechen beginnen oder den Teufel ausspucken.

Während die vier so sprachen, fiel mir auf: Wir sind eine Nation des Lästerns. Wir lieben es, über andere herzuziehen. Vor allem wenn wir kein Gesprächsthema mehr finden, beginnen wir damit, schlecht über andere zu reden.

Ich mein, ist euch schon einmal aufgefallen, dass es das Wort Läster-Schwester gibt, nicht aber den Compliment-Friend?!

Nett sein ist einfach zu old school

Wo sind sie denn hin, all die schönen Komplimente, die man sich einander machen kann?! Ist es wirklich so schwer, einfach mal zu sagen: “Ihr hättet mal ihr Kleid sehen sollen. Sie sah darin einfach fantastisch aus”?!

Anscheinend schon. Schmeicheleien scheinen in unserer Zeit zur alten Schule zu gehören. Die macht man nicht mehr. Nicht mehr zu anderen. Und auch nicht zu sich selbst.

Spread the love, feel the love

Dabei ist es doch so, dass die Liebe, die wir geben, irgendwann auch zu uns zurückkehrt. Je mehr Komplimente im Umlauf sind, umso größer ist schließlich auch die Wahrscheinlichkeit, das eines davon uns trifft.

Das Paradoxe daran: Alle reden momentan von Selbstliebe. Der Hashtag #selflove erreicht auf Instagram über 30 Millionen Posts. Aber so lange wir noch bitterböse Worte über andere in die Luft blasen, atmen wir weiterhin all diese Negativität ein und verpesten im Endeffekt niemand anderen als uns selbst.

Wie also sollen wir uns selber lieben lernen, wenn wir nicht einmal wissen, wie man liebevolle Worte für andere findet? Wie wollen wir eine Beziehung zu uns selbst aufbauen, wenn wir weiterhin eine Gesellschaft erschaffen, die sich vor all der Boshaftigkeit in süße Disney-Filme flüchtet und meint, hier die wahren Romanzen zu finden?

Komplimente an Cinderella. Und an euch!

Ich für meinen Teil würde lieber viel mehr echte Cinderellas um mich herum haben. Denn diese wusste bereits: “Have courage and be kind.”

Also: Habt Mut und seid nett. Macht Komplimente. Ihr werdet euch um Mitternacht vielleicht nicht verwandeln und euren Prince Charming finden. Aber ihr werdet zu euch und eurer Selbstliebe finden. Und das ist ja wohl besser als irgendein Typ auf seinem Pferd.

Achja, und übrigens: Ihr seht geil in eurem Kleid aus!

PS: Wer noch mehr Tipps braucht, wie man lernt, sich selber wohlzufühlen, der sollte diesen Selbstliebe-Blogpost von mir lesen.

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