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Von der Bulimie rein in die Magersucht

Ich habe euch in der letzten Woche offenbart, dass ich schon vor meiner Magersucht essgestört war. Ich litt an einer Bulimie.

Nachdem ich anfangs nur ab und zu mein Essen erbrach, gehörte es schon nach wenigen Wochen zu meinem Alltag. An manchen Tagen ging ich sogar extra dafür einkaufen, dass ich abends richtig „schlemmen“ konnte, um später wieder alles von mir geben zu können.

Ich war die Marionette meiner Bulimie

Ich beutete nicht nur meine Portemonnaie aus, sondern auch meinen Körper. Ich merkte, wie er unter meinen Fress- und Kotzorgien litt. Und trotzdem konnte ich nichts dagegen tun.

Sobald ich in meiner Wohnung war und anfing zu essen, schaltete sich mein Hirn aus. Ich war irgendwie nicht mehr ich. Zumindest schien es, als würden meine Gedanken fremd gesteuert.

„Ach komm, gönn‘ es dir alles. Warum aufhören? Du kannst doch gleich eh wieder kotzen gehen“, sagte mir eine Stimme. Also aß ich nicht nur mein Abendbrot, sondern gleich alles, was ich in meiner Küche noch finden konnte.

Wenn ich kurz vorm Platzen stand und wirklich gar nichts mehr ging, bewegte ich mich in mein kleines rosa Badezimmer und steckte mir vor der Toilette den Finger in den Hals.

Erst wenn alles wieder draußen war und ich die bittere Magensäure auf meiner Zunge schmeckte, hörte ich zu stochern auf.

Mir brannte mein Hals, mir tränten die Augen. Ich fühlte mich fürchterlich. Erst in diesen Momenten – wenn alles vorbei war – begriff ich, was ich da eigentlich gerade getan hatte und erschrak vor mir selbst.

Meine Bulimie musste ein Ende haben

Nach ein paar Monaten erkannte ich: So kann es nicht weitergehen. Also begab ich mich auf die Suche nach Hilfe. Erst teilte ich mich meiner besten Freundin mit, später meinen Eltern. Und dann vielen Psychologen am Telefon, bei denen ich mir einen Therapieplatz erhoffte.

Ich wusste, ich würde es selber nicht mehr aus der Bulimie herausschaffen. Irgendetwas lief schief und ich konnte es selber nicht mehr steuern.

Doch egal, wen ich telefonisch erreichte, immer hieß es, die Warteliste sei voll und ich müsste mindestens drei Monate warten. “Entschuldigung, aber ich kotze mir täglich meine Seele aus dem Leib. Ich brauche sofort Hilfe”, erklärte ich. Leider ohne Erfolg.

Irgendwann gab ich auf. Mir konnte so schnell wohl niemand zur Seite stehen. Ich war auf mich gestellt. Dann musste ich es wohl selber packen.

Es vergingen noch ein paar unschöne Monate. An manchen Tagen davon hatte ich mich im Griff. An anderen war es jedoch die Bulimie.

Der große Wendepunkt

Aber dann kam die “Erleuchtung”. Ich war mit einer Freundin zusammen auf dem Weg nach Düsseldorf und wir unterhielten uns über Diäten. Zu dem Zeitpunkt hatte ich tatsächlich etwas mehr als sonst auf den Hüften und dachte, dass wenn ich die Kilos erst einmal los sei, ich auch wieder glücklich sei und Frieden zwischen mir und meinem Körper einkehre. Schließlich hatte ja alles mit einem zu engen Rock und dem Wunsch nach einer Abnahme angefangen.

“Dass ich da nicht schon eher darauf gekommen war”, ärgerte ich mich. Ich fand den Gedanken genial.

“Eine Bekannte von mir studiert Ernährungswissenschaften. Sie meinte, dass man einfach alle Kohlenhydrate weglassen und stattdessen Magerquark essen soll”, erklärte mir meine Freundin.

Zwei Tage später – ich war zurück in Hamburg – mistete ich meine Küche aus. Alles was Pasta, Reis und Brot war, landete im Müll. Dazu schmiss ich auch noch alle anderen Versuchungen weg.

Im Supermarkt kaufte ich Magerquark. 500-Gramm-Pötteweise und stockte damit meinen Kühlschrank auf.

“Das macht man so eine Woche und schon hat man abgenommen”, klang die Stimme meiner Freundin noch nach. Aber da waren schon drei Monate vergangenen und ich auf dem besten Weg ins Untergewicht…

Wie der Übergang meiner Bulimie in die Magersucht aussah, erzähle ich euch in einem nächsten Blogeintrag.

Solltet ihr übrigens auch Hilfe brauchen, dann scheut euch bitte nicht, auch zum Telefon zu greifen. Nur weil ich damals Pech hatte, heißt das lange noch nicht, dass ihr keinen Therapeuten finden werdet.

Auf therapie.de könnt ihr euch einen ersten Überblick über alle Psychologen in eurer Nähe verschaffen und diese dann kontaktieren.

Bei meinem zweiten Anlauf hat es dann perfekt funktioniert und ich fand nach meinen Klinikaufenthalten super schnell meine wundervolle Psychologin.

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