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Wie mir Atemübungen & Yoga ein besseres Körpergefühl schenken

Jahrelang habe ich meinen Körper nicht gespürt. Ich nahm ihn wenig wahr. Nie fühlte er sich wie ein Teil von mir an.

Deshalb tat ich ihm nichts Gutes. Schlimmer noch: Ich beutete ihn völlig aus. Ich hungerte mich runter. Pushte ihn immer wieder. Verlangte Dinge von ihm, die ihn immer und immer wieder überforderten.

Wenn ich Sport trieb, ging ich ohne Ausnahme an meine Grenzen. Ich rannte, bis ich völlig erschöpft vor meiner Tür zusammensackte. Workouts mussten immer möglichst hart sein. Erst wenn jeder Muskel brannte, hörte ich auf. Ich ließ ihn erst in Ruhe, wenn wirklich gar nichts mehr ging. Lange verschnaufen durfte er trotzdem nicht. Denn selbst wenn ich eigentlich völlig erschöpft im Bett lag, fing ich wieder damit an, Sit-Ups und Crunches für einen durchtrainierten Bauch zu machen.

Aller Anfang ist schwer…

Wie weit ich mich von meinem Körper und einem Bewusstsein für ihn entfernt hatte, merkte ich allerdings erst, als ich meine erste Stunde in Körpertherapie hatte. Es war Mitte April 2016, gerade war ich mit meiner Magersucht in eine Klinik in Hannover eingekehrt.

Da ich viel zu sehr im Untergewicht war und eigentlich im Rollstuhl saß, erklärte mir meine Psychotherapeutin gleich zu Beginn, dass ich nur liegen würde. Sie war auf mein Zimmer gekommen und unterrichtet mich einzeln. An den Gruppentherapien durfte ich aufgrund meines BMIs nicht teilnehmen.

Noch bevor ich fragen konnte, wie wir mich denn therapieren wollten, wenn ich doch nur lag, griff sie zu meinem XXL-Riesenkuscheltier und setzte mir Princess Sparkle auf den Bauch. Mit seinen Glitzeraugen blickte mich das rosa Einhorn an und ich schaute erwartungsvoll in die Richtung von Frau Meyer (* Name geändert).

Ich hatte verlernt, richtig zu atmen

„Heute lernen wir zu atmen“, sagte sie ganz ruhig. Hah, war sie ein Spaßvogel. Ich atmete doch die ganze Zeit. Was gab es da denn noch zu lernen?! Ich hielt ihre Ansage für einen Scherz. „Sie atmen jetzt so tief in ihren Bauch ein, bis sich das Einhorn bewegt“, forderte sie mich heraus. Ich verstand immer noch nicht, was sie eigentlich von mir wollte.

Ich holte also richtig tief Luft. Princess Sparkle starrte auf mich herab. Und bewegte sich keinen Millimeter. Sie saß ganz ruhig auf mir. Nichts passierte.

„Das passiert, wenn man verlernt, in den Bauch zu atmen“, erklärte mir Frau Meyer. „Damit sind sie nicht allein. Viele Frauen haben heutzutage dieses Problem – allen voran die anorektischen unter ihnen.“

Bloß keine Luft holen. Ich könnte ja dick aussehen.

Tatsächlich fiel mir auf, dass sich mein Oberkörper zwar hob und senkte, mein Bauch jedoch angespannt und flach blieb. Die Luft kam zwar in meine Lungenflügel, aber von dort kein Stück weiter. Ich hatte mir abgewöhnt, tiefer zu atmen. Unter keinen Umständen wollte ich einen gewölbten, „dicken“ Bauch.

Auch bei meinem zweiten Versuch scheiterte ich kläglich. Das Einhorn saß da. Still und reglos.

Wer jetzt einmal „mitüben“ möchte, aber gerade weder Bett noch Kuscheltier in der Nähe: Leg‘ einfach einmal deine Hand auf deinen Bauchnabel und übe ganz leichten Druck aus. Nun atme tief ein und versuche, die Hand von dir wegzuschieben und eine richtige Kugel zu schaffen.

Wenn ich genau das jetzt auch mache, kann ich kaum noch verstehen, wie mir diese „einfache“ Bewegung einst so schwer fiel. Ich kann mich richtig aufpusten. Ich schaffe es locker, wie ein kleiner Ballon auszusehen.

Yoga führte mich und meinen Körper wieder zusammen

Was in der Zwischenzeit passiert ist? Yoga. Yoga und ganz viel Kontakt zu mir und meinem Körper. Ich habe mich neu kennengelernt.

Genau darauf kommt es mir persönlich nämlich an. Wenn ich auf der Matte stehe, versuche ich nicht, mein Bein bis hinter den Kopf zu ziehen und so viele fancy Posen wie möglich “durchzuturnen”. Ich genieße meinen Atem. Ich spüre den Fluss in mir. Ich nehme jede einzelne Zelle meines Körpers wahr.

Ihr kennt sicherlich diesen furchtbaren YouTube-Song “Jede Zelle meines Körpers ist glücklich”. (Wenn nicht, sucht NICHT danach. Er ist schlimm und geht einem nie wieder aus dem Kopf 😬 😰.) Und ja, er ist dämlich. Aber leider ist er in diesem Fall ziemlich passend.

“Hallo Körper, bist du es?”

Durch die Ruhe, die ich durch einen gleichmäßigen Atem in mich bringe, kann ich viel besser hinhören. Was braucht mein Körper? Was erzählt er mir? Was möchte er?

Wenn ich zum Beispiel auf dem Rücken liege – also in der “Totenstellung”, die Yogis als Savasana bezeichnen – und einen leichten Schmerz in meinem unteren Rücken verspüre, ziehe ich meine Knie an meinen Körper heran und umarme sie mit beiden Armen. Das nimmt direkt den Druck aus meinem Rücken heraus. Und wenn mein Körper dann noch mehr will, gehe ich ins “Happy Baby” (die Ananda Balasana).

Sollte ich gerade einmal nicht beim Yoga sein, aber das dringende Bedürfnis verspüren, herunterzukommen, mache ich übrigens eine simple Atemübung, die überall funktioniert. Sie nennt sich die 4-7-8-Atmung.

Durchatmen, aufatmen, weitermachen

Dafür schließe ich meine Augen, tippe mit meiner Zungenspitze an den Gaumen hinter meine Vorderzähne und atme nun tief durch die Nase ein. Vier Sekunden lang “sauge” ich die Luft so ein. Dann halte ich für sieben Sekunden inne und atme anschließend für acht Sekunden wieder auf. Das wiederhole ich ein paar Mal für wenige Minuten.

Und siehe da: Ich fühle mich direkt weniger gestresst, die Außenwelt ist komplett ausgeblendet und ich bin wieder komplett bei mir. Ich bin wieder im Kontakt zu mir.

Eine “Auflösung” bin ich euch zum Schluss noch schuldig. Ihr habt euch sicherlich schon gefragt, wie oft ich denn mit meiner Körpertherapeutin üben musste, bis sich Princess Sparkle auf mir bewegte.

Nun, es waren tatsächlich drei Therapiestunden (also jeweils eine innerhalb von drei Wochen) nötig. Erst dann nickte das Einhorn über mir und war damit einverstanden, dass ich endlich wieder in den Bauch atmen konnte.

Und jetzt: Inhale. Exhale.
Ich drücke euch,

xx Tabea 💕

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