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Wusstet ihr schon?! Magersucht ist gar keine Sucht

Ich habe kürzlich ja schon einmal über die gängigsten Missverständnisse gegenüber Magersüchtigen geschrieben. Das allergrößte habe ich jedoch ausgelassen. Dieser – ich nenne es mal – Denkfehler benötigt nämlich einen ganz eigenen Blogeintrag.

Magersucht. Was ist das überhaupt? Nun, da würden jetzt viele sagen, dass es die Sucht nach dem Magersein ist. Und irgendwie scheint die Antwort ja auch ganz naheliegend. Der Begriff verrät es ja eigentlich schon selbst.

Doch leider – und das wissen die wenigsten – ist dieser völlig irreführend. Magersucht kommt nämlich nicht von Sucht. Viel mehr leitet es sich von dem Verb “siechen” ab, das so viel wie “krank sein” oder “leiden” bedeutet. Das verdeutlicht noch einmal mehr, dass es sich bei einer Magersucht um eine Krankheit handelt und nicht etwa um ein Suchtverhalten.

Klar, jetzt könnte man behaupten, dass Betroffene doch aber nicht mehr ohne das Hungern können. Etwa so wie ein Alkoholiker nicht mehr ohne sein Bier kann. Trotzdem wäre es noch immer falsch, von einer Sucht zu sprechen. Diese steht nämlich immer in einer Korrelation zu einer Abhängigkeit von einer Substanz.

Wer jetzt Einwand erheben möchte und behauptet, “Naja, aber irgendwie sind Magersüchtige ja abhängig von dem Gefühl, immer weniger zu wiegen.”, dem kann ich zwar zustimmen, dass auch ich natürlich berauscht vom Abnehmen war, trotzdem kann man aber immer noch nicht von einer Sucht sprechen. Es fehlt ja schließlich das Mittel, von dem man immer mehr möchte.

Bei einer Magersucht verhält es sich ja sogar umgekehrt: Die Betroffenen wollen unter keinen Umständen mehr Essen zu sich nehmen.
Das K.O.-Argument, warum Magersucht  niemals eine Sucht sein kann, erschließt sich folglich beim Thema Entzug. Wer ein Alkoholproblem bekämpfen möchte, lässt sein Bier weg. Was aber sollte eine Magersüchtige weglassen? Etwa das Essen?!

Wenn Magersucht also gar keine Sucht ist, was ist es dann?!

Eine Magersucht ist eine psychische Erkrankung, die unterschiedlichste Ursachen haben kann. Jede Magersucht ist individuell, keine gibt es doppelt. Das habe ich damals auch in der Klinik beobachten dürfen. Wir alle hatten unsere eigene Päckchen zu tragen. Jede von uns hatte ihr ganz eigenen Sorgen unter der die Psyche litt.

Eines meiner Pakete war zum Beispiel voll von der Auffassung, man müsse im Leben etwas schaffen, um eine Daseinsberechtigung zu haben. Ich dachte immer, man müsse besonders sein und herausstechen, um wirklich liebenswert zu sein. Okay zu sein – so rein als Person und seinem Wesen wegen – das wäre mir niemals in den Sinn gekommen.

Heute weiß ich meinen Charakter zu schätzen. Ich liebe seine Facetten – ja sogar seine Ecken und Kanten. Und sollte ich jemals süchtig werden, dann nur nach dem Glückshormon, das mein wundervoller Körper produziert, wenn ich ihm gerade wieder dafür gedankt habe, dass er noch immer zu mir hält.

Ich drücke euch!
xx, T 💕

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