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Our Lovestory: Liebe ist stärker als Vorurteile

Märchen beginnen ja meist mit einem “Es war einmal”.
Und klar, so könnte ich meine Lovestory auch beginnen. Aber meine Geschichte ist kein Märchen. Sie ist Realität. Und sie war auch nicht. Sie ist immer noch.

Trotzdem muss ich mit euch einmal in die Vergangenheit reisen, um meine Liebesgeschichte zu erzählen. Ihr sollt mitfühlen können, wie aus Angst und Unsicherheit eine starke Beziehung zu mir und der Liebe meines Lebens wurde.

How it all began

Ich lernte meinen Freund im August 2017 auf einem Festival in Hamburg kennen. Ich war gerade erst ein halbes Jahr aus der Klinik in Bad Bevensen heraus. In mir tobten noch immer Unsicherheiten und Zweifel. Meine größte Angst war es, wieder in den Fängen der Magersucht zu landen. Ich vermutete sie überall und dachte, es sei eh nur eine Frage der Zeit, bis sie mich wieder hatte.

Deshalb war ich extrem vorsichtig. Ich trieb keinen Sport, oft nahm ich sogar den Bus statt zu Fuß zu gehen. Ich wollte bloß nicht zu viele Kalorien verbrennen und wieder abnehmen. Teilweise aß ich sogar immer noch nach meinem Plan aus der Klinik, der meine Mahlzeiten genauestens vorgab. Vom EL Butter am Morgen bis hin zur Scheibe Käse am Abend – alles war darin geregelt. Ich wollte bloß nichts falsch machen.

Eigentlich war mein Kopf noch immer in Bad Bevensen, an eine Beziehung dachte ich garantiert nicht. Doch da tanzte Benni plötzlich im Schlamm neben mir und ich konnte nicht anders, als ihn anzusprechen. Wir verstanden uns auf Anhieb, hatten einen super Abend miteinander (ja, wir knutschten auch 😄) und tauschten Nummern aus.

Das erste offizielle Date

Fünf Tage später hatten wir unser erstes Date. Ich war so nervös, dass ich glatt Bauchschmerzen bekam. Zu den typischen Gedanken – “Wie findet er mich wohl?”, “Was ziehe ich an?” und “Werden wir uns wohl nochmal küssen?” – mischten sich noch andere Bedenken, die mit meiner Vergangenheit zu tun hatten. Vor allem fürchtete ich, ich könnte irgendwie “auffliegen”.

Auf keinen Fall wollte ich, dass Benni von meiner Magersucht erfuhr. Er sollte nicht denken, dass er es mit einer völlig Irren zu tun hatte. Ich hatte Angst, es würde ihn sofort abschrecken. Versteht mich nicht falsch. Natürlich sind Betroffene nicht irre. Sie sind psychisch krank. Doch irgendwie glaubte ich, dass er so von mir denken würde, würde er von meiner Geschichte erfahren.

Da saß ich also vor meinem Sushi, fragte mich die ganze Zeit, ob die bestellten Röllchen auch wirklich den zwei Scheiben Brot, der Scheibe Käse und den Esslöffeln Butter aus meinem Klinikplan entsprachen und ich damit auf meine Kalorienzahl kam und konzentrierte mich darauf, bloß nichts aus dem Jahr 2016 und von meiner Therapie zu erzählen. (Es ist übrigens gar nicht so leicht eine ganze Episode aus einem Leben zu verheimlichen. Das ist ungefähr so, als würde man bei “Gossip Girl” bis zum Ende so tun, als wären Dan und Blair nie zusammen gewesen 😟😅.)

Ich “verplapperte” mich nicht, wir hatten ein traumhaft lockeres Date, lachten viel miteinander und ja, küssten uns zum Abschied. 😇. Hihi.

Bei den nächsten Dates wurden meine Zweifel natürlich nicht weniger. Im Gegenteil. Ich merkte immer mehr, wie gerne ich Benni in meinem Leben haben wollte und befürchtete, ich würde ihn verlieren, würde ich mich ihm öffnen. Ich empfand das Thema Magersucht als so abstoßend, dass ich mich nicht traute, davon zu erzählen.

Wie würde er von mir denken? Wie würde er mich angucken? Was würde er von mir halten? Diese Fragen kreisten immer und immer durch meinen Kopf. Meine Antworten hatte ich mir natürlich auch schon zurecht gelegt: Er hält mich dann für verrückt. Für schwach. Er wird mich angewidert angucken und denken, er säße mit einer Irren zusammen.
Mir wurde gleichzeitig aber auch bewusst, dass ich es ihm irgendwann sagen MUSSTE.

Der Moment, in dem alles raus war!

Das fünfte Date sollte die große “Offenbarung” sein. Als wir über unsere Pläne für die kommende Woche sprachen und er fragte, ob wir uns nicht am Dienstag sehen wollten, musste ich passen. “Dienstags passt mir nie”, sagte ich. “Nie?”, fragte er. “Nie”, antwortete ich.

Benni zögerte kurz. “Was machst du da denn immer”, fragte er vorsichtig. “Ach”, sagte ich möglichst cool und unbeteiligt. “Da bin ich von 19 bis 20 Uhr immer bei meiner Psychotherapeutin.” Ich schluckte. Jetzt war es raus. Ein Zurück gab es nicht mehr.

Benni zögerte erneut. “Darf ich fragen, was das für eine Therapie ist?”, fragte er noch vorsichtiger. Ich nahm all meinen Mut zusammen und setze an: “Weißt du, das letzte Jahr war nicht das Beste meines Lebens.” Meine Stimme brach. Darüber zu sprechen trieb mir noch immer die Tränen in die Augen. Ich hatte einen Kloß im Hals. Meinen nächsten Satz musste ich daher auch flüstern. “Ich war magersüchtig und lange in einer Klinik”, sagte ich leise.

Die Reaktion, die nun folgte, hatte ich mir so oft ausgemalt. Doch sie fiel ganz anders aus als gedacht. Statt mich angeekelt anzugucken, weiteten sich Bennis Augen und ich sah darin eine Mischung aus Mitleid, Liebe und Ehrfurcht. “Das hätte ich nie gedacht. Ich weiß gerade nicht, was ich sagen soll”, sagte er sehr behutsam – so als würde er mit seinen Worten etwas zerbrechen können, würde er sie zu direkt aussprechen.

Doch es war etwas gebrochen. Nämlich das letzte Eis zwischen uns, das mich die ganze Zeit davon abgehalten hatte, über eine gemeinsame Zukunft nachzudenken und mich komplett auf uns einzulassen.

Also begann ich zu erzählen. Benni nahm dabei meine Hand. Ich spürte seine Wärme und Aufrichtigkeit. Da war kein Ekel. Da waren keine Vorurteile. Da war bloß Liebe und Zuneigung. Ich hatte mich nicht nur geöffnet, sondern Benni auch eingelassen. Und er war eingetreten. All meine Bedenken waren völlig unbegründet gewesen.

Das Eis, es bricht, sobald man über seine Probleme spricht

Bis heute rede ich mit Benni über die Krankheit und merke immer wieder, wie heilend ein Gespräch sein kann. Nicht umsonst spricht man von diesem “von der Seele reden”. Wirklich. Das ist nicht bloß eine Redewendung. Das ist Heilung.

Außerdem weiß ich jetzt, dass niemand sich von einem abwendet, sobald man mehr Tiefe – und ja, vielleicht auch vermeintliche Schwäche – zeigt. Die meisten Menschen lassen sich darauf ein und tauchen mit einem ab. Und ganz egal, wie tief man schwimmen muss und wie dunkel es dort unten auch werden mag, wahre Freunde begleiten einen mit in die Abgründe unseres Lebens und halten immer einen Rettungsring und ein Licht bereit.

Das alles ist Benjamin für mich. Er ist mein Licht. Er ist mein Rettungsring. Er ist meine Karte zu oft unergründlichen Tiefen.
Und wenn wir nicht gestorben sind, dann können wir echt gut Luft anhalten 😉

HAPPY END ❤️❤️❤️

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