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Während der Magersucht und heute: In diesen Punkten denke ich anders

Am #transformationtuesday zeigt man auf Instagram nur, wie man sich äußerlich verwandelt hat. Dabei findet die größte Transformation doch vor allem im Inneren statt. Es ist die innere Einstellung, die den wahren Wandel vollziehen muss, damit schließlich auch das Optische folgt.

Deswegen möchte ich nicht nur ein Vorher-Nachher-Foto meines Körpers zeigen, sondern vielmehr auch Einblicke in mein Denken geben. Ich möchte euch wissen lassen, wie ich während meiner Magersucht gedacht habe, und wie ich es heute tue. Vom Schönheitsideal bis hin zum “besonders sein” – ich erzähle euch, in welchen Punkten ich jetzt anders ticke, wie ich mich mental entwickelt habe und welche Leitsätze mich aus der Krankheit gerettet haben:

1. Skinny // Strong

Während meiner Magersucht hatte ich nur ein Ziel: dünner werden. Abnehmen und dünner werden.
Etwas anderes gab es für mich nicht. Dabei ließ ich mich von einem krankhaften Schönheitsbild leiten, das kein Pardon für das noch so kleinste Fettpölsterchen kannte. Stattdessen MUSSTE es eine Thigh Gap sein. Und der mega flache Bauch. Am liebsten so flach, dass sich auf ihm schon wieder die Wirbelsäule von hinten abzeichnete. Ich blickte auf die falschen Vorbilder und verlor völlig den Überblick darüber, was schlank und gesund, und was krankhaft dünn war. Eine “Size Zero” stufte ich schließlich als völlig normal und erstrebenswert ein.

Heute frage ich mich, warum ich jemals eine Nullnummer sein wollte. Vielmehr möchte ich doch von mir sagen können, dass ich mich zu 100 Prozent so liebe, wie ich bin. Oder dass ich mich selbst als wahren Tausendsassa empfinde, obwohl ich natürlich nicht alles kann. Wahre Schönheit kommt für mich heute – so kitschig es auch klingen mag – von innen heraus. Ich schaue zu Menschen auf, die einen besonders starken Charakter haben und nicht etwa einen stark abgemagerten Körper. Meine neuen Vorbilder arbeiten nicht mehr am Vergrößern ihrer Thigh Gap sondern am Verkleinern der weltweiten Gendergap. Sie nutzen ihre Willenskraft nicht fürs Hungern, sondern um sich stark zu machen. Für sich und für andere.

Und genau diese Stärke ist es auch, die mich anspornt, nie wieder dürr sein zu wollen. Ich möchte etwas in der Welt bewegen, meinen Teil dazu beitragen – und das geht leider nicht, wenn ich all meine Kraft darauf verwende, abzunehmen oder schon gar keine mehr habe, weil ich im gefährlichen Untergewicht bin.

2. Optimieren // Akzeptieren

Meine Magersucht hatte natürlich vielerlei Ursachen. Eine davon nannten meine Psycholgin und ich immer das “Höher, Schneller, Weiter”. Wir beschrieben damit meinen inneren Zustand der permanenten Selbstoptimierung. Egal wie hoch die Messlatte war, ich setzte sie mir höher. Egal wie schnell ich bereits rannte, ich wollte immer noch einen Gang zulegen. Und egal, wie weit ich bereits gekommen war, ich wollte noch weiter. Einfach mal zufrieden – oder gar stolz – sein, ging nicht.
So war das dann auch mit dem Dünnsein. Egal wie viel ich bereits abgenommen hatte, ich wollte noch mehr an Gewicht verlieren. “Da geht noch mehr”, dachte ich jeden Morgen, wenn ich auf der Waage stand und machte mich Tag für Tag daran, weniger zu werden.

Ich hatte viel zu sehr verinnerlicht, dass man besonders sein musste, um geliebt zu werden, dass mir der Satz „Ich bin okay so wie ich bin“ völlig fremd war. Erst als meine Psychologin ihn vor mir in einer Sitzung wiederholte und mich aufforderte, ihn doch auch mal zu sagen, wagte ich darüber nachzudenken, ob an mir vielleicht doch ein bisschen was in Ordnung war. Sagen konnte ich es dennoch nicht. Die Worte wollten nicht über meine Lippen. Ich begann zu weinen.

Zugegeben: Ich setze mir die Messlatte noch immer hoch und will überall 100 Prozent geben. Aber ich kann mir anschließend auch auf die Schulter klopfen und ich kenne meine Grenzen. Ich kann akzeptieren, dass es irgendwo auch mal ein Ende gibt. Vor allem aber kann ich mich akzeptieren und finde mich doch ganz okay – ganz unabhängig davon, ob ich nun höher gesprungen, schneller gelaufen oder weiter gegangen bin. Selbst wenn ich einfach nur auf der Couch sitze und netflixe, bin ich okay so wie ich bin.

Ja mehr noch: Eigentlich bekomme ich gar nicht genug von mir. Das ist mein Mantra gegen Selbstzweifel, meine Wunderwaffe gegen die fiese Stimme, die mich während der Magersucht beherrschte. Aber das ist eine andere Story.

3. Selbstzerstörung // Dankbarkeit

Wer sich bis auf die Knochen verunterhungert, tut nichts anderes, als sich selbst zu zerstören – körperlich als auch psychisch.
Man fügt sich selbst Schaden zu. Man geht nicht gut mit sich um. Man löst sich langsam auf. Man gibt sich der Magersucht hin und lässt zu, dass man nach und nach kaputt geht bis man schließlich völlig zerbricht.

Bis heute rede ich davon, dass ich mich damals im Selbstzerstörungsmodus befand. Meist muss ich nach diesen Worten schlucken. Mir treibt es noch immer die Tränen in die Augen, wenn ich dich darüber nachdenke, wie ich mit mir umgegangen bin. Ich habe meinen Körper ausgebeutet und das hat er nicht verdient!

Rücksicht, Liebe, Dankbarkeit – das ist es, was ich meinem Körper heute entgegenbringe. Ich habe erkannt, dass er mein wichtigstes Gut ist und begreife mehr und mehr, wie wundervoll er eigentlich ist. Ganz besonders wenn ich beim Sport bin und sehe, was er alles schaffen kann, bin ich unglaublich fasziniert und froh darüber, ihn zu haben.
Daher beende ich meine Workouts mit einem kurzen Calmdown, schließe die Augen und bedanke mich still bei meinem Körper und der Tatsache, dass er mir so treu geblieben ist, selbst als ich ihn quälte. DANKE!

4. No Carb Girl // Porridge Lover

Ohja, die “bösen” Kohlenhydrate. Was sind sie doch für fiese kleine Dickmacher, die einen zum Explodieren bringen, sobald sie bei einem auf dem Teller landen. Man muss sie nur angucken und zack, boom, bäng, geht man in die Breite bis man platzt.

SO EIN SCHWACHSINN!
Aber ja, so habe ich während meiner Magersucht tatsächlich gedacht. Ich konnte nicht einmal einen Reiskorn ansehen, weil ich Angst vor ihm hatte. Nudeln und Kartoffeln waren natürlich undenkbar. Ein Brötchen am Morgen? Ganz sicher nicht!

Okay, das Brötchen esse ich auch heute eher selten. Aber es gibt ja auch etwas viel geileres: Porridge! Ich liebe Porridge! Und Haferflocken sind ja wohl auch mal Kohlenhydrate pur.
Doch jetzt kommt das wirklich Unglaubliche: Ich bin bisher noch nicht explodiert. Es hat noch nicht zack, boom, bang gemacht!

Denn wisst ihr was: Carbs sind gar nicht so böse. Ehrlich, probiert es mal!

2 Kommentare

  • Jolla

    Liebe Tabea,
    du bist eine beeindruckende und wunderschöne Frau. Deine Texte, deine ganze Seite ist grossartig. Wie du dich gewandelt hast und jetzt das Essen nicht mehr hasst, sondern sogar liebst – wow! Für mich selber nehme ich deine Rezepte mit. Wenn ich irgendwann mal einen unfaulen Küchen-Moment habe, backe ich was nach! Ich weiss nur noch nicht was. Das sieht alles so lecker aus. 🙂
    LG
    Jolla

    • Tabea

      Liebe Jolla,
      Danke für deine lieben Worte. Sie bedeuten mir sehr viel. Denn so weiß ich, dass ich nicht allein bin und so wunderbare Menschen wie dich um mich habe, für die es sich lohnt weiterzumachen. 🙏🏻❤️
      Ich kann dir die Rocher Bliss Balls sehr empfehlen. Die gehen super einfach und vielleicht nicht so süß wie Fondant, aber auch suuuuper!
      Ich drücke dich!

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