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Ein Mantra gegen alle Selbstzweifel – und gegen die Magersucht

Sie tauchen immer wieder auf: negative Gedanken. Ängste. Selbstzweifel.
Ohne dass ich merke, wie sie sich hereinschleichen, sind die plötzlich in meinem Kopf. Ich habe keine Ahnung, woher sie kommen und weiß auch nicht, wie ich ihnen die Tür zu meiner Psyche für immer verschließen kann. Aber ich habe gelernt, sie zu verdrängen. Ihnen einfach den Raum zu nehmen. Und zwar mit einem einzigen Gedanken, der mittlerweile viel stärker ist, als ein ganzes Bündel an Zweifeln zusammen: „Ich bekomme nie genug von mir.“

Alles begann im Sommer 2016, als ich am Tiefpunkt meiner Magersucht war. Ich wartete darauf, endlich einen Platz in einer Klinik zu bekommen und kämpfte Tag für Tag gegen diese fiese Stimme in mir an. „Du bist viel zu viel. Du isst viel zu viel. Du wiegst viel zu viel“, wütete sie in mir. Sie war so laut, dass ich es nicht schaffte, gegen sie anzureden. 

Ich war zwar noch nicht in Therapie, aber besuchte wenige Male eine Psychologin, die mir bereits zugesichert hatte, mich nach meinem Klinikaufenthalt zu betreuen. Sie gab mir den Rat, mir einen Spruch auszudenken, der mir Kraft geben würde.

Alles war „zu viel“ – ganz besonders ich

Ich sollte ihn mir aufsagen, wenn ich morgens auf der Waage stand und das „zu viel“ in mir schrie. Ich sollte ihn mir beim Essen ins Gedächtnis rufen, sobald mir meine Mahlzeit zu viel vorkam. Ich sollte ihn wiederholen, falls ich mich wieder einmal viel zu viel selber hasste.

Bisher hielt ich nicht viel von Mantras. Ich hielt sie für Zaubersprüche von Gurus. Vor meinem inneren Auge zündeten sie dazu Räucherstäbchen an, saßen im Schneidersitz und redeten sich in eine Art Trance. (Nein, nein, ich habe keine Vorurteile 😉.)
Aber ich hatte ja nichts zu verlieren. Ich war für jede Hilfe dankbar. Jeder Tipp konnte doch eigentlich nur helfen. Schlimmer ging es mit und in mir doch eh nicht mehr.

Schließlich hatte meine gute Freundin Saskia die zündende Idee. Ich sollte dem fiesen „ZU VIEL“ doch endlich verständlich machen, dass ich eben nicht zu viel war. Und selbst wenn, dann wollte ich eben mehr. Mehr Gewicht. Mehr Essen. Mehr von mir. 
„Ich bekomme nie genug von mir“ – mein Mantra war geboren.

Übung macht das Mantra

Klar, leider wirkte es nicht sofort wie ein Zauberspruch. Der plötzliche Hokuspokus blieb aus. Meine Magersucht verschwand dadurch nicht von heute auf morgen.
Nein, meine eigene Stimme hatte ich noch nicht wieder, aber ich wusste nun, was zu sagen war. Ich musste es einfach nur immer und immer wieder sagen und dabei langsam lauter werden. Irgendwann würde ich gegen die fiese Stimme in mir schon anreden können.

Genau hier liegt übrigens auch die Kraft von Mantren. Sie können alle Ängste, jeden Unmut und alles Dunkle in uns überschwemmen. Ist ja auch logisch: Sobald wir einen positiven Gedanken haben, können wir nicht gleichzeitig auch einen negativen haben. Der positive Gedanke muss nur stärker sein. Er muss voll von Überzeugung stecken.
Wie wir das schaffen? Durch wiederholen. 
Denn je öfter wir einen Gedanken denken, umso eher glauben wir ihm auch. Da ist unser Gehirn ganz einfach gestrickt. 

Bald sickerte dieser Gedanke auch zu meiner Psyche durch. Ja, ich bekam tatsächlich nicht genug von mir. Und ja, ich war auch irgendwie gar nicht so verkehrt. Ich war sogar ein bisschen liebenswert. Vielleicht liebte ich mich auch schon ein wenig mehr als gestern noch.

Für jeden gibt es einen persönlichen „Zauberspruch“

Bis heute ist mein Mantra meine wohl größte Kraftquelle. Meine Geheimwaffe gegen Selbstzweifel sozusagen.
Ich habe meine Vergangenheit zwar hinter mir gelassen, aber ich habe immer noch so meine Momente, in denen ich mich nicht ganz so geil finde. Aber dann sage ich mir einfach „Ich bekomme nie genug von mir“ und umarme mich innerlich. Klingt kitschig? Ohja, das ist es! Und es tut so gut!!

Bestimmt funktioniert mein Satz nicht bei jedem. Vielleicht auch nur bei mir. Er ist ja schon sehr persönlich und ganz individuell entstanden. Aber ich mir sicher, dass jeder sein Mantra finden kann.
Dafür muss man nur einmal überlegen, welcher Negativgedanke einen am meisten runterzieht und wie man ihm am besten begegnen kann. 
Und dann gilt: Üben. Üben. Üben. Und das Wutschen und Wedeln nicht vergessen. 😄 😄

Quelle: gifeed.com

Achja, ich bekommen übrigens nicht nur genug von mir, sondern auch nicht von euch. Fühlt euch umarmt und geherzt.
xx, T 💕

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