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Tischlein deck dich: Wie ich mit 24 Jahren das Essen wieder erlernte

Eigentlich ist das Prinzip ja super easy: Wenn man Hunger hat, isst man. Wenn man satt ist, hört man auf. Unser Körper sagt uns schon, wann wir etwas brauchen und wann es wiederum genug ist. 

Während meiner Magersucht hielt ich mir jedoch ganz bewusst die Ohren zu. Ich hörte nicht auf meinen Körper, sondern folgte einer fiesen Stimme in mir, die mir nach und nach alles verbat. Ich verlernte zu essen, mein Hungergefühl trainierte ich mir ab. Zwei Jahre lang boykottierte ich die Signale, die mein Körper mir sendete. Ich “aß” nach meinem ganz eigenen -ziemlich kranken – Prinzip.

Der Tiefpunkt meiner Magersucht

Im Februar 2016 war es dann soweit, dass mein Magen nicht einmal mehr wusste, was Essen überhaupt ist. Nahm ich etwas zu mir, spuckte er es direkt wieder nach unten aus. Es schien, als würden die Lebensmittel mich einfach nur durchwandern.

Meine Wiederernährung in Klinik Nummer 1 startete daher mit hochkalorischer Flüssignahrung. Nicht selten fiel dabei das Wort Magensonde, doch glücklicherweise schaffte ich es, mein Fresubin mit Cappuccino-Geschmack selber zu trinken und mein Körper, es bei sich zu behalten. Nach und nach gewöhnte er sich wieder daran, etwas zugeführt zu bekommen und ich nahm langsam zu. Der erste Schritt war (mehr oder weniger) geschafft.

Wieder etwas mehr bei Kräften zog ich ein paar Monate später in die nächste Klinik um. Den Kaloriendrink brauchte ich hier nicht mehr. Zunehmen musste ich trotzdem noch. Und das nicht gerade wenig. Über zehn Kilo fehlten mir noch bis zum untersten Normalgewicht.

Von Kaloriendrinks zu Zunahmeplänen

Deswegen aß ich nach einem strikten Zunahmeplan. Jede meiner fünf Tagesmahlzeiten war Teelöffel-genau festgelegt. Also wirklich. Wortwörtlich. Zu meinem Frühstück gehörten neben Obst, einem Brötchen und einem Joghurt tatsächlich 2 TL Butter, 1 TL Konfitüre und 1 TL Honig. Alles war exakt festgelegt, meine Kalorien genau berechnet.
Monatelang hielt mich an diesen Plan. Ich musste nicht ein einziges Mal selber überlegen, wann ich was wie essen würde.

Das ändert sich natürlich, als ich wieder in meinen Alltag nach Hamburg zurückkehrte. Bisher hatte ich ja geglaubt, das Härteste hinter mir zu haben. Nämlich den Kampf gegen mich selbst. Gegen die Stimme, die mich immer wieder zum Abnehmen zwingen wollte.

Doch nun stand ich vor der nächsten Challenge. Ich musste wieder lernen, für mich selber zu sorgen. Mit 24 Jahren fing ich ganz von vorne an.

Klar, ich hatte noch den Plan aus der Klinik in der Tasche, aber mein Ziel war es natürlich, bald wieder “frei” essen zu können. 
Ich wollte am Wochenende wieder mit Freunden brunchen gehen können, ohne dabei einen Teelöffel Honig und zwei Teelöffel Butter glatt zu streichen und die ganze Zeit zu überlegen, ob das nun alles meinem Frühstück aus der Klinik entsprach.

Frei & intuitiv – so tastete ich mir

Also löste ich mich nach einigen Wochen peu à peu von meinem Plan. Ich ersetzte das Brötchen zum Beispiel durch eine Laugenstange, statt Konfitüre als Aufstrich gab es mehr Milch in den Kaffee. Ich versuchte die Anzahl der Kalorien ungefähr einzuhalten. Nie durfte es weniger sein. Meine größte Angst war es nämlich, direkt wieder abzunehmen. Ich wollte mein erreichtes Normalgewicht unter allen Umständen halten. Schließlich hatte ich mir monatelang jedes Milligramm hart erkämpft.

Es dauerte etwa vier Monate bis ich meinen Plan außer Acht ließ und nun wieder ganz auf meine Intuition – und ja, endlich auch wieder meinen Körper – hörte. Ich hatte Tag für Tag ein bisschen mehr an meinem Plan abgeändert. Woche für Woche ein neues Experiment gewagt. Ich hatte getestet, beobachtet und erkannt, wie viel Nahrung ich über den Tag verteilt brauchte.

So konnte ich mich auch irgendwann von meinen fünf festen Mahlzeiten lösen. Den Milchreis, den ich in der Klinik immer am Nachmittag gegessen hatte, den gab es halt als Dessert zum Mittag. Oder als etwas mehr Basmatireis zum Curry am Abend. 

Vergessen habe ich meinen Plan bis heute nicht. Ich könnte auch jetzt noch ganz genau sagen, was und wie viel ich demnach zu essen hätte.
Umrechnen einzelner Mahlzeiten – wie eben beschrieben – tue ich jedoch längst nicht mehr. Ich vertraue wieder komplett auf mein Hunger- und Sättigungsgefühl und esse, sobald mir danach ist.

Was heute auf meinem Teller landet

Dabei achte ich immer darauf, dass ich genug Proteine zu mir nehme und das Verhältnis von Fetten und Kohlenhydraten stimmt. Zu Snacks greife ich ab und zu auch einmal, unbewusstes Naschen liegt mir jedoch fern. Lieber genieße ich meine Mahlzeiten und freue mich dabei immer wieder, wie schön essen doch sein kann. 

Was heute sonst noch auf meinem Tischlein landet, wenn ich ihn eindecke? Ganz viel Gemüse. Ich liebe zum Beispiel Zucchini, Auberginen, Kichererbsen und Möhren über alles! Im Herbst kommen dann noch Kürbis, Pastinake und Petersilienwurzel hinzu. 

Meist bereite ich sie im Ofen zu, nachdem ich sie mit Öl und Gewürzen eingestrichen habe. Oder aber sie landen in einem knackigen Salat, der wiederum gerne einmal in einem Leinsamen-Wrap landet. Hier greife ich übrigens auch immer zu “geilem” Öl wie Sesam-, Pistazien-, oder Trüffelöl. Mittlerweile habe ich zu Hause schon eine richtige Sammlung davon. 😄
Mein absoluter Favorit bleibt aber definitiv mein heiß geliebtes Kürbiskernöl. Das geht immer!

Außer vielleicht morgens. Zu meiner Breakfastbowl wäre der Geschmack dann vielleicht doch etwas unpassend. 😅
In meiner Schale befinden sich nämlich: veganer Joghurt (am liebsten Kokos!), frisch geschnittenes Obst, ein paar Nüsse, manchmal etwas Trockenobst, warmer Porridge und als Highlight cremiges Nussmus. 
Was genau ich frühstücke und was ich miteinander kombiniere, entscheide ich jeden Morgen nach Lust und Laune und mixe immer wieder neu.

Generell finde ich es super spannend, Neues auszuprobieren und manchmal auch Experimente einzugehen. (Erst gestern habe ich zum Beispiel erstmals in eine Quittenbirne gebissen.)

In meiner Ernährung gibt es eigentlich nur eine Konstante: mein Foodie-Credo. Hauptsache frisch und gesund – ist der Leitsatz, der mich beim Einkaufen und Kochen begleitet. Fertiggerichte kommen mir nicht unter die Augen, geschweige denn Gabel. Industriezucker meide ich außerdem auch komplett. Gesüßt wird bei mir mit natürlichen Alternativen wie Sirup, Dattelsüße oder Honig.

Mir ist es sowieso wichtig, dass alles möglichst organic ist. Ich bin nämlich der festen Überzeugung, dass die Natur am Besten weiß, was uns gut tut. 
Naja, und eben auch unsere Körper. Zusammen bilden sie ein unschlagbares Team. Man muss nur auf sie hören und sich von ihnen leiten lassen.

Feed your body. Nourish your soul.

xx, Tabea

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