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Ende food, alles food – oder auch: Der Start in ein neues Leben

Wer vom Ende spricht, muss auch vom Anfang erzählen – oder wenigstens die Vorgeschichte zusammenfassen. Bei mir lässt sich diese in nur einem Wort auf den Punkt bringen: Magersucht.

Wer mich kennt, weiß um meine magere Vergangenheit.
Wer mich jetzt erst kennenlernt, dem offenbare ich gerne, dass ich Anfang 2016 an meinem Tiefpunkt angekommen war und über ein Jahr und zwei Klinikaufenthalte brauchte, um mich aus den Fängen der Krankheit zu befreien. Mein Gewicht war erschreckend gering, mein Körper und meine Seele waren ausgemergelt und ich hatte mich und die Liebe zu mir und meinem Körper verloren. Erst als meine Mutter mich unter Tränen gehen ließ und ich tagelang kraftlos auf der Couch lag, wusste ich: Das hier ist entweder das Ende, oder aber der Anfang.

Und ich wusste auch: Es lag in meiner knochigen Hand.

Ich entschied mich für den Neustart. Für meine Mutter. Für meine Familie. Für meine Freunde. Und für mein verlorenes Ich.

Aller Anfang ist schwer – auch im Untergewicht

Der Kampf den ich begann, war hart. Ich führte ihn in mir, in den tiefsten Tiefen meiner Seele, wo es anfangs bösartig duster war. Nur langsam flackerten dort die ersten Lichter auf, Monate lang schwankte ich zwischen hell und dunkel – bis ich schließlich wieder strahlen konnte.

Diese Strahlkraft ist heute mein mir wertvollstes Gut. Es ist die Freude am Leben. Die Freude mit mir. Und die Freude am Essen.

Denn so paradox es auch klingen mag, heute begeistert mich nichts mehr als ein gutes Gericht, eine neue Entdeckung im Bio-Markt oder das Backen und Kreieren von eigenen Kuchenrezepten. 

Damals magersüchtig, heute Foodie

Heute würde ich mich glatt als Foodie bezeichnen. Denn ja, das geht: Eine Ex-Magersüchtige kann ihren alten Feind – das Essen – zum besten Freund erklären. Eigentlich ist das auch gar nicht paradox, sondern gerade plausibel. Und auch irgendwo notwendig. Zumindest in meinem Fall.

Erst seitdem ich meinen neuen Bestie beschnupper’, erkenne ich, wie viel Spaß man mit ihm haben kann und dass er doch eigentlich nur mein Bestes will. (Nur bei Schimmelkäse hört die Freundschaft nach wie vor auf, der stinkt mir bis heute.) Ich lese viel, schaue mich um, probiere einiges und nähere mich so dem Thema. Vor allem aber kläre ich so falsche Vorurteile – ja sogar Ängste – auf, die mich damals vom Essen abgehalten haben.
(Fett macht Fett? Sorry, aber Nüsse und ich sind jetzt so richtig dicke Freunde!)

Mitte 2016 bekam ich Panikattacken, wenn man mir einen Krümel Brot auf den Teller legte. In meinem Kopf hatte sich manifestiert: Von Kohlenhydraten explodiert mein Gewicht.
Jetzt backe ich Banana Bread mit einer Begeisterung, die mich tatsächlich zum Platzen bringt. Nämlich vor Freude.

Ende gut, alles gut.
(Übrigens: Das hier ist eigentlich auch kein Ende, sondern erst der Anfang.)

xx, T

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